Workcamp 2015

Abschlussbericht der Begegnungsreise von Schülerinnen und Schülern[1] der Peter-August-Böckstiegel (PAB) Gesamtschule Werther/Borgholzhausen und dem Mother-of-Mercy Centre (MMC) in Kenia vom 16.06.15 bis zum 17.07.15

Vorbereitung:

Vor der Reise war die Aufregung natürlich groß, nicht nur von Seiten der SuS und der LuL, auch die Eltern hatten Sorgen. Eine Vielzahl von Aufgaben waren im Vorhinein zu erledigen. Solche die vor jeder größeren Reise getätigt werden müssen, wie Durchführung von Impfungen, Besorgung eines Passes und anderer Dinge, die vor Ort zu gebrauchen waren (Tagebuch, Klamotten, Schlafsack etc.). Doch was vor allem gebraucht wurde, neben Gebrauchsgegenständen und Formularen, war eine mentale Vorbereitung auf das bevorstehende Ereignis. Es musste sich mental auf neue Lebensverhältnisse, kulturelle Bedingungen, neue Menschen, mit erst unbekannten Verhaltensweisen, anderes Klima und auf ein neues Bild von der einen Welt, in der wir leben, eingestellt werden.

13 Vorbereitungsseminare mit beteiligten SuS und Lehrern zu den Themen Nord-Süd-Problematik, Landeskunde, Kultur, Verhaltensweisen, Rassismus, Regeln in der Gruppe, etc. fanden im Anschluss an den Unterricht statt. Daneben standen aber auch Aspekte des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung. Besonders ein vorbereitendes Seminar an der Schule mit dem Schwerpunkt „Interkulturelles Lernen bei Begegnungsreisen“ ermöglichte uns, neue Inhalte, Erfahrungen und Lebensweisen möglichst unvoreingenommen erfassen zu können. Für das Seminar konnten als Referenten wieder Dr. Gisela Führing und Dr. Albert Mané gewonnen werden. Eine der begeitenden Lehrerinnen hat bereits das letzte Workcamp 2013 mit SuS an der Partnerschule in Nairobi/Kenia durchgeführt und stand mit eigenen Erfahrungen stets unterstützend zur Seite. Bereits im Vorhinein musste durch Geldbeschaffungsmaßnahmen, die Gruppe an vielen Stellen gemeinsam mit anpacken und wuchs somit schon auf Flohmärkten und während der Bepflanzung eines Walls zusammen. Die intensive Vorbereitungszeit hat neben den inhaltlichen Zielen die Gruppe näher zusammengebracht, was für den Auslandsaufenthalt in einem Entwicklungsland im Rahmen einer Schulfahrt unabdingbar ist.

Das Workcamp:

Vom Jahr 2003 an fanden alle zwei Jahre Begegnungsreisen mit Workcamps in Kenia statt, an denen immer 10 bis 12 SuS mit zwei bis drei begleitenden Lehrkräften teilnahmen. Im Jahr 2015 wurde das Workcamp zum siebten Mal durchgeführt. In diesem Jahr erhielten wir kurz vor dem Abflug nach Kenia eine traurige Nachricht: Der Schulleiter des MMC’s und unser Freund Charles Nyakundi erlitt einen starken Schlaganfall und war einige Tage nicht ansprechbar; er kann heute wieder gehen jedoch bis jetzt immer noch nicht sprechen. Aus diesem Grund haben der stellvertretende Schulleiter George Ivans Makori und Charles Frau Catherine Nyakundi das Management der Schule übernommen. Sie haben uns auch während der Zeit in Kenia begleitet. Für einen Monat lebten die SuS der PAB an den Schulen in den Slumgebieten Nairobis. Deutsche und Kenianische SuS tauschten sich während des Unterrichts über ihre Heimatländer, etwa zu den Themen Jahreszeiten, Tierwelt, politisches System, Feiertage, Sprache etc. aus. In den Standorten in Kisii und Kariobangi halfen kenianische und deutsche SuS sowie LuL bei konkreten Projekten zur Verbesserung der schulischen Situation. In Kariobangi wurde ein Wasserspeicher für Regenwasser gebaut, der die Wasserversorgung der Schule unterstützen soll. In Kisii gestalteten die SuS das Schultor und den Schulzaun in den Schulfarben und erreichten somit gemeinsam eine gestärkte Identifikation der SuS und LuL mit der Schule. Außerdem strichen die SuS auch gemeinsam die Tafeln mit spezieller Tafelfarbe und erstellten Unterrichtsmaterialien. In Kisii fanden Hausbesuche in den Elternhäusern der kenianischen Jugendlichen statt. Gerade diese Besuche, die zum Teil eine größere Herausforderung darstellten, schärfte nochmals ihr Bewusstsein für die Probleme der kenianischen Lebenswirklichkeit.

Einer der Höhepunkte unseres Workcamps war die gemeinsame Zeit einer kenianischen Gruppe aus 11 SuS und zwei LuL sowie der deutschen Gruppe in Kinangop. In dieser einwöchigen Phase des Workcamps verbrachten wir 24 Stunden miteinander. Der gemeinsame Tagesablauf bot viele Möglichkeiten für den Austausch, z.B. gemeinsames Essen und Spülen, gemeinsame Spiele, das Lernen von deutschen und kenianischen Liedern, Knüpfen von Freundschaftsbändern, gemeinsame Kunstworkshops uvm. Programmpunkte wie das Pflanzen von 2000 heimischen Bäumen im Aberdare Nationalpark in Kooperation mit einer lokalen Umweltschutzgruppe den Friends of Kinangop, welche wiederum Anwohner des Nationalparks zur Mithilfe veranlasste, brachte nicht nur die verschiedenen Interessengruppen zueinander, sondern leistete auch einen direkten Beitrag zum Umweltschutz. Zudem bot sich zugleich die Möglichkeit den Erfolg der Baumpflanzaktion von 2013 unmittelbar zu überprüfen. Natürlich konnten wir nicht jeden Baum überprüfen, doch aufgrund der kräftig gewachsen Setzlinge von 2013 hoffen wir auch für unsere neuen Bäume das Beste.

Mit der kenianischen Gruppe machten wir auch eine Tagesexkursion zum Lake Naivasha, wo wir während einer Bootsfahrt die Natur und die anliegenden Gewächshäuser der Rosenzuchten auf uns wirken lassen konnten. Bei dem anschließenden Gespräch mit einem am Lake Naivasha forschenden Doktoranten der Uni Bonn erhielten wir viele Informationen rund um die Vor- und Nachteile der örtlichen Rosenzuchten, deren Produkte uns aus den deutschen Supermärkten so vertraut sind, während sie in Kenia vor allem aus wirtschaftlichen und umweltrelevanten Gründen betrachtet werden. Auch hier wurde Globalisierung für uns erlebbar.

Monitoring des vom Aussterben bedrohten Vogels „Sharpe’s Longclaw“ im Bezirk Kinangop und Kennenlernen der widerstreitenden Interessen zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen der lokalen Farmer stellten einen weiteren Schwerpunkt unserer gemeinsamen Woche dar. Dazu gehörte auch ein Workshop zur Auflösung dieses Konfliktes anhand einer lokalen Initiative zur Etablierung von Schafzucht und der sich daraus ergebenden Verarbeitung und Vermarktung der Schafwolle durch eine Spinnerei, Weberei und Färberei.

Wir haben neben den Friends of Kinangop auch mit einer Umweltgruppe im Bezirk Watamu Marine National Park kooperiert. Wir haben z.B. an einem Workshop zum Thema Küstenschutz am Beispiel der Mangrovensümpfe im Mida Creek teilgenommen, um mit den SuS ein weiteres besonderes Ökosystem zu erleben.

In täglich stattfindenden Reflexionsphasen und durch das Führen eines Tagebuches wurden die SuS beider Länder immer wieder für Themen wie Nachhaltigkeit und Verständnis der Kulturen sensibilisiert und interkulturelle Lernprozesse wurden angestoßen.

Wir haben viele persönliche Kontakte zu den Lehrern und Schülern im MMC Kariobangi, Donholm und Kisii intensivieren können. Außerdem konnten wir erfolgreich unsere Kontakte für verschiedene Kooperationspartner erweitern und neue Ansprechpartner gewinnen. Somit hoffen wir durch die zunehmende Vernetzung, unsere Ziele zukünftig noch besser planen und umsetzen zu können.

Abschließend ist festzuhalten, dass sich bei den SuS ein Bewusstsein dafür entwickelte, dass es nicht nur Armut ist, die das Leben der Menschen in Kenia bestimmt und die einzige Geschichte darstellt, sondern dass es noch viele andere Geschichten gibt, die das tägliche Leben bestimmen und die, die Menschen täglich neu prägen z.B. ihren Optimismus, ihre Zufriedenheit und ihren Willen etwas zu bewegen. So sind wir uns sicher, dass wir durch die Reise nach Kenia und durch die gemeinsame Arbeit eine weitere Geschichte geprägt haben und nun von dieser erzählen können. Eine Geschichte von kulturellem und sozialem Austausch, einer gemeinschaftlichen Zusammenarbeit und einer Freundschaft, die über Ländergrenzen und Kontinente hinausgeht.

So hat alles in allem die Vorbereitungzeit und natürlich die tatsächliche Reise bei uns ihre Spuren hinterlassen: Spuren von Hoffnung, neuer Lebenserfahrung, einem veränderten Bewusstsein und vielem mehr. Es bleiben nicht nur Souvenirs und Bilder, nicht nur Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen. Es bleiben Dinge, die nur scheinbar einfach sind: Freundschaft, Hoffnung und der Mut mit anzupacken.

[1] Im weiteren Verlauf des Berichts werden die Abkürzungen SuS für Schülerinnen und Schüler sowie LuL für Lehrerinnen und Lehrer und KF für Konkreter Friedensdienst verwendet.