Hier ein kleiner Bericht von der Reise, die wir elf Schülerinnen und Schüler im Alter von 17 bis 19 Jahren und die sie begleitenden fünf Lehrkräfte Carina Esdar, Timo Kerksiek, Andy Panhorst, Johannes Stute und Ulli Wirths (als ehemaliger Lehrer) im Juli/August 2017 nach Kenia miterlebten:

Neben dem Besuch der normalen Schulstunden waren verschiedene, sehr unterschiedliche Projekte gemeinsam mit den Partnerschülerinnen und –schülern von der Gituru Secondary School aus der Region Naivasha in Zentralkenia zu erledigen.

Wie in den beiden vorangegangenen Workcamps wurden wieder 2.000 Baumsetzlinge an den Hängen des Aberdare Gebirges, einem wichtigen Wassereinzugsgebiet für die Millionenmetropole Nairobi, gepflanzt. Danach ging es nach Watamu an den Indischen Ozean, wo in einem Mangrovengebiet ein in die Jahre gekommener Boardwalk (auf Stelzen gebauter Bretterweg), der vor vielen Jahren von der deutschen Umweltgruppe NABU dort errichtet worden war, in einem fünftägigen Arbeitseinsatz aufwendig repariert und restauriert wurde.

Ein besonderes Augenmerk lag in diesem Jahr aber auf der Umsetzung der Solar-Idee. Kenias wichtigster „Rohstoff“, die Sonnenenergie, sollte eingefangen werden. Denn die öffentliche Stromversorgung in diesem Land ist oft sehr unzuverlässig, sodass die im letzten Jahr der Partnerschule gespendeten 23 Computer oft wochenlang nicht zum Einsatz gekommen waren.

Das ist nun anders. Die durch die großzügige Spende der deutschen Firma SolarWorld gespendeten 60 großen Solarmodule befinden sich nun auf dem Dach der Schule. Gemeinsam mit einer einheimischen Spezialfirma montierten die Schülerinnen und Schüler diese Sonnenkollektoren auf einem neuen Gebäudetrakt.

Möglich wurde dies auch durch eine ebenfalls eingeworbene Spende der deutschen Regierungsstelle ‚Engagement Global‘, die den Großteil der Transportkosten übernommen hatte. Diese Einrichtung hat auch einen großen Teil der Reisekosten gesponsert.

Das beim diesjährigen Afrikatag eingenommene Geld wurde zu einem großen Teil „verbaut“, denn anders als in Deutschland kann man den erzeugten Solarstrom in Kenia nicht ins öffentliche Netz einspeisen, sondern muss ihn in Batterien speichern. Diese sehr kostspieligen Batterien wurden vor Ort gekauft. Die erhoffte Einnahme des nächstjährigen Afrikatages soll dazu dienen, die gesamte Schule mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen. Der Computerraum und ein Klassentrakt sind bereits angeschlossen.

In einer weiteren Solaraktion wurden 100 kleine Solarlampen selbst hergestellt. Vor Ort gesammelte ausrangierte Marmeladen- und Honiggläser, in die eine Batterie, ein kleines Solarmodul und LED-Leuchten eingebaut wurden, ersetzen nun in den Haushalten der kenianischen Schülerinnen und Schüler die vorher benutzen Kerosinlampen, die nicht selten explodieren und zu Bränden führen. Alle dafür benötigten Materialien und Werkzeuge waren zuvor vom Techniklehrer Johannes Stute, der mit von der Partie war, zusammengestellt und mitgebracht worden.

Selbstverständlich wurden zwischendurch auch einige der touristischen Attraktionen dieses wunderschönen Landes genossen: Neben einer Bootsfahrt auf dem Lake Naivasha, bei der zahlreiche Flusspferde und prächtige Vögel gesichtet wurden, und einer Besteigung des Mount Longonot, einem aktiven Vulkan, waren natürlich ein paar Tage am Strand mit Schnorcheln und Schwimmen im warmen Wasser angesagt. Eine zweitägige Safari im Lake Nakuru Nationalpark, bei der sogar Löwen und die sehr seltenen Nashörner erspäht wurden, rundeten das Freizeitprogramm ab.

Am letzten Tag wurde in einer anrührenden Feierstunde Abschied genommen von sehr freundschaftlichen und herzlichen Gastgebern. Zuvor hatten die deutschen Gäste noch jeder einen Apfelbaum gepflanzt, woraus im Laufe der Jahre eine Apfelbaumplantage auf dem Schulgelände entstehen soll. Apfelbäume als Symbol für eine glückliche Zukunft und auch deshalb, weil sie sich im Logo der PAB Schule wiederfinden.

Unsere kenianischen Partner, die „Friends of Kinangop Plateau“, diese lokale Umweltgruppe, von der schon einige Male die Rede war, insbesondere ihre beiden Vorsitzenden Dominic Kimani und Samuel Bakari, haben uns unglaublich unterstützt in allen Fragen des Transportes, der Unterkünfte und Verpflegung. Sie haben die Baumpflanzaktion maßgeblich organisiert und waren ständig bemüht, uns zu helfen. Ihre beeindruckende Arbeit, Umweltschutz zu verbinden mit der Schaffung von Arbeitsplätzen, wird von uns schon länger unterstützt. Jetzt haben wir Ihnen die nötigen Gelder zur Anschaffung dreier weiterer Webstühle für ihre Teppich- und Deckenproduktion zur Verfügung gestellt. Ihnen gilt unser besonderer Dank.

Unsere neue Partnerschule, die Gituru Secondary School, war ebenfalls bemüht, uns unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Einer überwältigenden Begrüßungszeremonie folgten angenehme Tage an der Schule. Die für uns zusammengestellte Schülergruppe mit wechselnden Lehrkräften begleitete uns beinahe die gesamte Zeit, sogar während unseres Aufenthaltes an der Küste. Ein gegen Ende des Workcamps veranstaltetes großartiges Sportfest brachte noch einmal die gesamte Schule auf die Beine, sogar die benachbarte Grundschule war mit von der Partie. „Gänsehautfeeling“ stellte sich bei vielen bei der warmherzigen Verabschiedungszeremonie ein.

Unser alter Freund George Makori, der ehemalige Stellvertreter von Charles Nyakundi vom MMC, mit dem wir immer noch verbunden sind und der uns bei unseren Aufenthalten in Nairobi logistisch hilft, hat inzwischen eine eigene kleine Grundschule gegründet, die „St. Joseph the Worker School“ in Kayole, einem östlichen Stadtteil Nairobis. Sie liegt in einem wirklich schlimmen Slumgebiet. Die Kinder dort wachsen förmlich inmitten einer riesigen Müllhalde auf. Sie und ihre Eltern, meist gibt es nur Mütter, leben unter menschenunwürdigen Bedingungen in selbst zusammengezimmerten Plastik- oder Blechhütten. Sie leben vom Heraussuchen und Verkaufen von wiederverwertbarem Müll: Metallteile, Plastik und sogar weggeworfene Essensreste. George wohnt nicht weit entfernt, und hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Kinder, die ohne ihn null Chancen auf irgendeine Art von Schulbildung hätten, dort herauszuholen. Er hat mit einem äußerst geringen Startkapital, das zum Teil von unserer Spende stammte, zwei Blechräume gemietet, eine Lehrerin und eine Betreuerin, die gleichzeitig für das Kochen zuständig ist, eingestellt. Die zwei- bis sechsjährigen Kinder (es sind mittlerweile 32) werden dort jeden Morgen gewaschen, mit einer Schuluniform eingekleidet, mit Essen und Trinken versorgt und bis zum Nachmittag betreut und unterrichtet.

Wir haben uns alles angeschaut – und waren tief beeindruckt. Zum einen von der unglaublichen Armut dieser Menschen, die von der kenianischen Gesellschaft komplett abgeschnitten sind und um die sich keiner kümmert – die meisten Erwachsenen sind krank, leiden unter Malaria, Asthma, Aids, etc., sie kommen nach einem Monat harter Arbeit umgerechnet auf ca. 15 bis 20 $. Zum anderen aber von George’s unglaublichem Einsatz und Engagement. Wenn das Wort von christlicher Nächstenliebe irgendwo einen Platz haben soll, hier ist es angebracht.

Die Reisegruppe hat viel erlebt und viel gearbeitet. Die 11 Schülerinnen und Schüler des Workcamps 2017 haben daher ihre Eindrücke in Thesen gesammelt einmal festgehalten:

 

  1. „Man gewöhnt sich schnell an neue Dinge!“

Man gewöhnt sich erstaunlich schnell ans Zähneputzen mit Mineralwasser, an Klos, die Löcher im Boden sind, an große Insekten, an kaltes Duschen und an schlechte Straßen.

  1. „Feel the Kenyan Rhythm! “

Wenn eine Gruppe Afrikaner dich zum Tanzen auffordert, dann kannst du nicht nein sagen, denn die Kenianer sind sehr gastfreundlich und nehmen einen sehr herzlich auf.

  1. „Lerne dein Leben zu schätzen!“

Während wir nur die ganze Zeit meckern und unzufrieden sind, schaffen es manche Menschen noch dann zu lachen, wenn ihr Leben alles andere als glücklich ist und sie jeden Tag darum kämpfen müssen etwas zu essen zu bekommen, wie die Menschen, die im Slum leben.

  1. „Nächstenliebe“

Einige Schulen geben den Kindern mittags etwas zu essen und das ist für manche Kinder die einzige Mahlzeit des Tages und egal wie schlecht es ihnen selbst geht, es gibt Leute, wie George, Bakari und Dominic, die sich unglaublich für andere einsetzen und sich zum Beispiel um Kinder kümmern, die im Slum leben und sich für die Umwelt einsetzen.

  1. „Bildung ist der Start ins Leben!“

Ohne einen Schulabschluss ist es schwierig, etwas zu erreichen in seinem Leben. Deshalb ist es wichtig Schulen zu unterstützen, damit die Kinder lernen können.

  1. „Kein Stress= HAKUNA MATATA“

Wir Deutschen machen uns manchmal viel zu viel Stress. Wir sollten öfters mal die kenianische Mentalität leben „HAKUNA MATATA“.

  1. „Schütze deine Umwelt!“

Leute wie Dominic, Bakari und allgemein die Friends of Kinangop und andere Umweltschützer werden gebraucht, um das Land voran zu bringen, denn sie haben eine gute Organisation und mit den richtigen Denkansätzen den Willen das Land zu schützen.

  1. „Die Hautfarbe spielt immer eine große Rolle!“

Auf Grund der Hautfarbe ergeben sich viele Vorurteile, wie zum Beispiel in Kenia weiße Haut für Reichtum steht. Aus diesem Grund fällt man dort sofort auf, was wir öfters erlebt haben.

  1. „Setzte Prioritäten und überdenke Dinge!“

Wir haben gelernt, dass es oft auf der Welt Interessenkonflikte gibt zwischen der Wirtschaft und der Umwelt. Außerdem haben wir gelernt, wie wir durch Kaufen der Fair Trade Produkte, anderen Menschen helfen können.
  1. „Über den deutschen Tellerrand hinauszuschauen, bringt dich weiter!“

Man kann am meisten Dinge lernen und im Gedächtnis behalten, wenn man sie hautnah miterlebt. Deshalb bereichert so eine Begegnungsreise dein Leben.

  1. „Man kann auch mit kleinen Dingen etwas bewegen!“

Durch die Weitergabe unsere Erlebnisse erhoffen wir uns weniger Vorurteile oder Single Stories über das Land und verschiedene Situationen und dass auch anderen Menschen bewusst wird, dass man auch mit kleinen Dingen etwas bewegen kann.

 

KWAHERI KENYA !
Wir hatten eine unvergessliche Zeit in Kenia! Vielen Dank an alle, die diese Wochen so geprägt haben!

Ein paar bildliche Eindrücke von unserer Reise nach Kenia 2017 gibt es in der Randspalte oder unter www.instagram.com/pab_afrika.